Jawoll, Drill Seargent!

Disziplin

Wenn du dieses Wort liest: Was ist deine erste Reaktion – ohne darüber nachzudenken? Siehst du schon den treuen Deutschen Schäferhund Rex bei Fuß im korrekten 3,8 cm Abstand zur Schuhspitze seines Herrchens laufen ??? Oder siehst du dich selber wie du die Schokolade, die schon in deinem Einkaufskorb war – ganz von selber reingefallen, kann ja vorkommen – wieder zurück ins Regal legst, den Sabber runterschluckst und zärtlich seufzend deine zuckerfreien Bio-Dinkel-Kekse streichelst?

Im Kontext Sport denkst du vielleicht an die alten DDR-Methoden, oder Bilder von kleinen Mädchen die schon täglich 5 Stunden trainieren, damit sie in 10 Jahren Spitzenleistungen in der rhythmischen Sportgymnastik erreichen.

Disziplin wird bei uns meistens negativ gesehen. Kaum eine Grabrede in der es heißt: Er war sowas von diszipliniert … oder … bis zum Schluss war ihm die Disziplin wichtig. Noch nie gehört. Auch keiner der sich „Disziplin“ tätowieren lässt – Freiheit, Friede, Liebe, Delphine ja, aber Disziplin hab ich noch nie gesehn, du? Oder liebevoll mit Kreuzstich aufs Autopolsterl gestickt … „komm gut heim“ war gestern – „Disziplin“ ist heute – hipp – wär doch mal was anderes …

Für mich ist Disziplin notwendig, um einerseits seine Ziele und Freiheit zu erreichen und andererseits Erfüllung zu erfahren.

„Freiheit bedeutet die Disziplin zu haben, das umzusetzen, was ich mir vornehme!“ sagt B. S.. Auch ein schöner Spruch, ich weiß leider nicht von wem der ist: Disziplin frisst Talent zum Frühstück … oder … den Anfang macht die Idee – das Ende die Disziplin! Und mein absoluter Liebling: Disziplin ist die Fähigkeit sich zu merken, was man will !

Disziplin zu haben um etwas zu erreichen, ist etwas sehr Schönes und es ist der Weg, den du konsequent umsetzt, um dein Ziel zu erreichen, der dir Sinn gibt! Es wird sehr oft vom Sinn im Leben gesprochen. Ich finde dieser Sinn ist das, was ich mein WARUM nenne. Sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Dabei geht es nicht um Höchstleistung. Es geht um deinen Weg. Was heißt aber das jetzt für dich? Disziplin gibt dir Freiheit! Es gibt dir die Freiheit Ziele zu erreichen, die du dir vorgenommen hast. Die Freiheit jeden Tag an dir und deinen Zielen zu arbeiten und damit deinem ganz persönlichen WARUM näher zu kommen.

Warum fällt es uns (ja, ich geb es zu, auch mir hin und wieder) so schwer, diszipliniert zu sein?

Tun wir mal was für unsere Bildung und klugscheißern wir ein bisschen: Diesbezüglich stehen sich wohl 2 Lager gegenüber. Und zwar im einen die des Hendonismus (von „hēdonḗ“, altgriechisch für: Freude, Vergnügen, Lust) und die des Eudaimonismus (von „eudaimonía“, altgriechisch für: einen guten Geist habend). Weißt du natürlich, wollte ich nur nochmal kurz erwähnt haben. Für einen Hendunisten ist das Genussvolle, das Freudige am Leben das oberste Gebot seines Daseins. Zum Unterschied der Eudaimonist, dem der Sinn des Lebens, das heißt sein Handeln, wichtiger ist.

Für ihn zählt ein sinnvoller und tugendhafter Lebenswandel. Er strebt nach Selbstvervollkommnung. Klingt jetzt ein bisschen nicht ganz so attraktiv, aber es gibt auch Vorteile: Das Problem der Hendonisten ist, dass die ständige Befriedigung der Lust meist nur kurzfristig anhält und schon will man wieder was Neues und vor allem mehr (siehe Dragee-Keksi-Werbung … wenn ich nur aufhören könnt – typisch Hendonisten-Werbung). Der Vorteil der Eudaimonisten: Die Befriedigung ist längerfristig und nachhaltiger (also Grün-Wähler Klientel, Birkenstockfraktion und Wachstuch-Verwender), weil man stolz auf etwas zurückblicken kann und auch so zu seiner persönlichen Entwicklung beiträgt (siehe Dalai Lama und Jesus) …

Warum kann dieses erworbene Wissen jetzt sinnvoll sein für uns und unser gemeinsames Training: Nun ja, durch unsere inneren Stimmen – sehr oft Glaubenssätze (mit den schönen Dingern wir uns auch beschäftigen– da kannst du dich schon drauf freuen – mein Lieblingsthema 😉 aber auch Stimmen von außen, die ja beim einen mehr und beim anderen weniger oft mit uns sprechen (bei mehr als 5 solltest du jedoch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, zumal wenn sie beginnen durcheinander zu reden und unterschiedlicher Meinung sind …) die „gönn dir doch einmal etwas, morgen ist auch noch ein Tag, darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an“ … auf der einen Seite und „es kommt auf alles an, das sollst du jetzt nicht, das ist verboten“… auf der anderen Seite von sich geben, sind wir ständig in einem Zwiegespräch, also in einem Konflikt mit uns selbst.

Meine Lösung: Lebe beides! Lebe das „volle Leben“ wie die positive Psychologie sagt. (Nebenbei: Ich hasse positive Psychologie, aber hier hat sie wohl ein ganz kleines bisschen recht!) Und ganz wichtig dabei: Aufpassen : GAAAANZ WICHTIG (ich schreibs lieber groß): Ohne Reue, ohne schlechtes Gewissen, ohne kritische Stimmen im Kopf und Zeigefingerbild im Hirn … dann kommen wieder Zeiten der Disziplin, des konsequenten Trainings, des genauen Hinschauens auf was mir guttut und was nicht. Und das ganze bitteschön auch noch einem gesunden, sinnvollen und effizienten Verteilerschlüssel. Also nix da mit jeden 1. Montag im Monat ist Training und den Rest der Zeit ist chillen und Chips am Sofa Zeit 😉

Gerade in einem Trainingsjahr gibt es Zeiten, da wird gar nichts trainiert und Urlaub gemacht (Jaja, da liest du richtig! Selbstverständlich werde ich als Trainer auch dafür bezahlt – nur damit das von vorneherein klar ist – schließlich sag ich dir ja auch: Jetzt ist Urlaub, jetzt wird gar nichts gemacht …

Dann gibt es Zeiten ,da wird viel gearbeitet oder trainiert, und dann gibt es Zeiten dazwischen. Gib allen Teilen und Stimmen ausreichend Raum. Wenn du Urlaub machst, dann machst du Urlaub, mit allem was dazu gehört. Mit faulenzen, lange schlafen, Eis und Bier und was auch immer … Und wenn du dich auf ein Rennen vorbereitest gibst du wiederum deinem WARUM und dem Sinn dahinter Raum. Belohne dich nach einer guten Arbeits- oder Trainingswoche mit etwas, das du gern tust, Essen das jetzt nicht gerade am Trainings-Speiseplan steht oder einem schönen kühlen Bier! Wie wäre es mal mit einer schönen Massage oder einem Fußpflegetermin? (Ja, die nehmen auch Männer, ich habs schon ausprobiert !!!)

Belohne dich selbst für deine Disziplin. Wenn du jedoch, wie schon Anfangs erwähnt, Disziplin als etwas positives sehen kannst und den Verzicht nicht als etwas negatives, das dir etwas wegnimmt sondern vielmehr etwas, das dir viel mehr gibt und dich weiterbringt, dann wird dir Disziplin mit der Zeit immer leichter fallen.

Aufgabe für heute:

Was war deine erste Reaktion auf Disziplin? Am besten aufschreiben. Welche Bilder hattest du sofort im Kopf. Was verbindest du damit. Was sind deine bisherigen Erfahrungen mit Disziplin.

Warum ist das wichtig? Ein Athlet von mir hatte immer Probleme mit der Ernährung und folglich dadurch ein paar Kilo zu viel, was ihn als Radfahrer am Berg etwas bremste. Als ich ihn fragte welches Verhältnis er zur Disziplin hätte, erzählte er mir, dass er als Jugendlicher einmal in einem Zenkloster war und dort von früh bis spät meditierte und auch mit niemandem sprechen durfte! Dh. seit damals war sein Verständnis von Disziplin gleichgesetzt mit Selbstgeißelung. Als wir aber sein Gehirn einmal darüber nachdenken ließen, dass es das nicht sein muss, und „Disziplin“ auch keine Geißelung ist, und welche Vorteile und welchen Gewinn er mit etwas Disziplin erreichen kann, hat es in ihm schon eine Kerbe hinterlassen!

Tja ….Weißt du wieso die Fitnessstudios im Jänner und Februar voll und danach wieder leer sind? Die Leute wollen mehr Sport treiben und konsequenter sein. Nach zwei Monaten wissen sie es aber nicht mehr Warum und dann gehen sie auch nicht mehr hin!

Ich habe vorher vom Sinn geschrieben. Wenn es einen Sinn im Leben gibt dann sehe ich das recht pragmatisch: Es geht um Erfahrungen zu machen, dh. etwas zu erleben (ein Abenteuer oder was auch immer), und Entwicklung und um Nix aber auch für einen einzelnen um Alles! Vielleicht hilft uns da ein wenig Ehrlichkeit ein wenig: Wir leben in einem der schönsten Länder der Welt, können tun und lassen was wir wollen (Ich kann deinen inneren Kritiker schon hören), und haben auch alles! Aber warum sind wir dann so unzufrieden?

Sport, vor allem Ausdauersport in der Natur mit Menschen die ich gern hab oder auch allein, eignet sich hervorragend für genau diese Dinge. Solche Abenteuer die meine Sportskanonen machen und auch ihre Ziele geben diesen 4 Dingen eine Form. Du kannst dir das so vorstellen: Du willst Wasser trinken und deinen Durst löschen. Dazu nimmst du ein Glas um daraus zu trinken. Dein Durst sind dabei die Bedürfnisse, Dinge, Erfahrungen und Abenteuer die du erleben oder lernen willst. Sport und dein Ziel sind das Glas und geben dem ganzen eine Form! Mir war lang nicht bewusst was ich da eigentlich für einen coolen Job als Sportwissenschafter und Trainer habe, Menschen genau dabei zu unterstützen und es ihnen auch zu ermöglichen.

Wenn du dich ein wenig magst, (nur ein wenig, wir wollen doch nicht gleich zum Egoisten mutieren)), dich ein wenig wichtig und auch die Verantwortung für dich und dein Handeln nimmst, weißt, warum du das machst was du da machst und dieses Warum dich in deinen Bann zieht, wird sich die Frage nach Disziplin auch nicht mehr stellen! Und wenn ich dir etwas versprechen kann, dann das!

Dein Andreas

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